Poster "Clermont-Ferrand Short Film Festival", 2002
01. Februar 2002 – 09. Februar 2002
Kuratieren der Filmreihe "Carte blanche vs brown thoughts" beim Clermont-Ferrand Short Film Festival.

Die österreichischen Filme beschäftigen sich seit vielen Jahren mit den "braunen Gedanken" wobei "braun" mit "denken" meist nicht viel zu tun hat. In "Herbst 95" sehen wir in einer langen Einstellung welche Art von Menschen Jörg Haiders Veranstaltungen 1995 besuchten und was sie zu sagen haben. Heute kann man viele andere Leute um Haider sehen, die sich 1995 noch versteckt hielten. Auf der anderen Seite des Spektrums steht "Zero Crossing", der die momentane Empörung im März 2000 in ebenso langen Einstellungen festhält. Die Fassungslosigkeit der Protagonisten von damals ist heute – zwei Jahre nach Eintritt der FPÖ in die Regierung – einer allgemeinen Lähmung gewichen. Der Gegner ist mittlerweile übermächtig geworden: Wir waren in Österreich die ersten mit einer rechten Regierung. Jetzt gibt es nicht nur Haider, sondern auch Berlusconi und Bush. Diese Leute werden uns noch eine Weile erhalten bleiben, denn schlechte Zeiten sind gut für schlechte Politiker. Schlechte Zeiten sind aber auch gut für gute Filme – und neun Stück davon sind in Clermont-Ferrand zu sehen. Diese Filme sind ganz verschieden. Das, wogegen sie sind, ist immer gleich.
Vielen Dank an Amour Fou Filmproduktion, Meter, Navigator Film, Sixpack Film, „Die Kunst der Stunde ist Widerstand“ und Schnittpunktfilm.
Virgil Widrich

Gezeigt werden: "Günter 1939 (Heil Hitler)" (Johannes Rosenberger), "Herbst 95" (Alexander Binder, Michael Gartner, Elke Groen, Rainer Frimmel, Rainer Obrist), "5 Filme gegen Schwarz-Blau: Schaukel" (Thomas Horvath), "Dar-el-Beida" (Tim Sharp), "Passagen" (Lisl Ponger), "Heimkehr. Wien 1941/1996." (Caroline Weihs, Michael Domes), "Zero Crossing. Conversations in Vienna" (Johannes Holzhausen), "Marriage Blanc" (Concept Gustav Deutsch, realization Gustav Deutsch and Mostafa Tabbou), "Pinocchio" (Martin Reinhart)