- Artikel aus den Salzburger Nachrichten -

    
- 7. Februar 98 - 
 
Regisseur, Drehbuchautor und Computerfreak   

SN-Gespräch mit dem vielseitigen Filmemacher Virgil Widrich, dem frischgebackenen Preisträger des Drehbuchwettbewerbs der Stadt Salzburg   
 

Von Pierre A. Wallnöfer   

    
"Julie kommt aus Rumänien nach Wien, um eine Bank zu überfallen. Dabei trifft sie auf den Italiener Paolo, der sich in sie verliebt. Doch aus der Romanze wird nichts: Heller als der Mond leuchten die Banken in Österreich."   

Hinter dieser Inhaltsangabe verbirgt sich der erste Kinospielfilm des Salzburger Regisseurs Virgil Widrich, dem kürzlich für exakt diesen Stoff der Drehbuchpreis 1997 der Stadt Salzburg verliehen wurde. "Eine überzeugende Geschichte, sehr gut herausgearbeitete Charaktere und originelle Dialoge. Das Drehbuch könnte eine gute Basis abgeben für eine Komödie, die auch kritische Ansätze enthält",hieß es in der Begründung der Jury.       

19 Millionen Budget werden gesucht   

Nun soll der Stoff verfilmt werden, wofür zahlreiche Förderungen in Anspruch genommen werden müssen, immerhin beträgt das Budget 19 Millionen S. "Einen deutschen Partner zu finden ist momentan nicht leicht, weil das österreichische Kino zuletzt kommerziell einige gröbere Miß-erfolge erlitten hat", sagt Widrich.   

Mit Wolfgang Odelga und Michael Synek konnte der umtriebige Salzburger Filmemacher jedoch zwei renommierte österreichische Persönlichkeiten als Produzenten gewinnen, die sich nun um die Finanzierung kümmern. Odelga - er verfügt über gute Kontakte in die USA - hat etwa die "Drei Musketiere" produziert, und seine Tochter arbeitete schon für Steven Spielberg. Synek wiederum gilt als aufstrebender Cineast, dessen junge Firma für ehrgeizige Projekte bekannt ist.   
    

Erste Sporen mit eigenem Filmverleih   

Virgil Widrich hat sich in der österreichischen Filmszene längst einen Namen gemacht. Schon im Alter von 12 Jahren drehte er Kurzfilme, 1985 stellte er bereits einen mit einfachen Mitteln gedrehten abendfüllenden Spielfilm fertig, "Vom Geist der Zeit". Anschließend lernte er das Filmgeschäft von der anderen Seite kennen. Widrich gründete einen eigenen Filmverleih (Classic Films, 1987-1991), organisierte drei Jahre lang das österreichische Filmfestival "Diagonale", das dreimal in Salzburg abgehalten wurde.   

Während dieser Zeit ruhte zwar der kreative filmische Output Virgil Widrichs, er sammelt jedoch fortwährend Erfahrungen im künstlerischen Bereich. "1990 absolvierte ich bei John Bailey eine Regieassistenz und besorgte mir in jener Zeit so viele Bücher über das Drehbuchschreiben, wie ich nur auftreiben konnte." Die Früchte dieses Studiums schlugen sich zunächst in Dialogen und Drehbuchvorlagen für CD-ROM-Produktionen nieder.    

Widrich, seit der Jugend ein Computerfreak, hat etwa CD ROMs für die Salzburger Festspiele, für einen interaktiven Führerschein und die Kinder-CD-ROM "Robbi" betreut.   
    

Untertitel für Peter Greenaway   

Außerdem verfaßte der heute 30jährige Virgil Widrich die deutschen Untertitel zu Peter Greenaways Film "Baby von Macon".    

Noch vor dem Drehbeginn zu "Heller als der Mond" wird ein Kurzfilm herauskommen, der eine neue Filmtechnik vorstellt. In "txtransform", einem avantgardistischen fünfminütigen Streifen von Martin Reinhart (Technik) und Virgil Widrich (Drehbuch) wird die Raum- und Zeitachse vertauscht. "Dieser Film funktioniert nach dem Prinzip der Relativitätstheorie, nach der Raum und Zeit austauschbar sind", sagt Widrich. Der Computer benötigt sieben Stunden, um 30 Sekunden dieses Films zu berechnen, der vor allem für Einsätze bei Festivals gedacht ist.   

      

      Virgil Widrich (vorne) mit Martin Reinhart, der eine neue Filmtechnik erfand. Der 
      gemeinsame Kurzfilm "tx-transform" ignoriert die Gesetze von Raum und Zeit und 
      ist eine Abfolge von Querschnitten einer Bildreihe, was, so Widrich, zu erstaunlichen
      Effekten führt.

  

Eine Bank förderte den Bankraub-Film   

Nun zu Widrichs großem Spielfilmprojekt: "Heller als der Mond" weist drei Handlungsstränge mit je einem Paar auf, sodaß sechs Hauptdarsteller benötigt werden. "Insgesamt hat der Film aber 44 Rollen - "also jene Schaupieler, die mindestens einen Satz zu sagen haben". Für die Hauptrollen - drei Österreicher, zwei Rumänen, ein Italiener - sind keineswegs Stars vorgesehen, Widrich geht es darum, die richtigen Typen zu finden.   

 "Lustig ist, daß die Salzburger Sparkasse einen Zuschuß zum Drehbuchpreis der Stadt Salzburg gegeben hat, weil es in meinem Film um insgesamt sieben Banküberfälle geht", sagt Widrich.   
    

Drei Kulissen für sieben Schauplätze   

Da es kaum eine Dreherlaubnis in Banken geben wird, müssen die Kulissen für die entsprechenden Bankraub-Szenen wohl im Studio gebaut werden. Bei der Schauplatz-Suche auf dem Land entdeckte Widrich, daß viele Banken so klein sind, daß auf dem Gang Schilder "Bitte einzeln eintreten" angebracht sind. "Oft befindet sich die Bank im Rathaus, sodaß es dort Gänge gibt, wo an mehreren Türen ,Nur einzeln eintreten' steht. Dieser Umstand wird sich in der Handlung niederschlagen." Für die Dreharbeiten ab Mai sind fünf Wochen vorgesehen. "Ich möchte aber mit dem ganzen Ensemble den kompletten Film zwei bis drei Wochen proben, damit an den Schauplätzen flüssig gedreht werden kann", sagt Widrich.   

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